Blick über Ingolstadt; Aufgenommen mit der Camera ObscuraIm Jubiläumsjahr 2000 („750 Jahre Stadtwerdung Ingolstadt“) wurde vom Schanzer Photoclub Ingolstadt e.V. eine Camera obscura gebaut und auf den Wasserturm der Rieter Spinnereimaschinenbau AG in der Friedrich-Ebert-Straße als erste begehbare Camera obscura eingerichtet. Seitdem haben unzählige Besucher/innen die Möglichkeit genutzt ihre Stadt aus einer ganz anderen, neuartigen Perspektive zu betrachten.

2006 stand ganz im Zeichen des 1200-jährigen Stadtjubiläums. Durch die Umbaumaßnahmen am Neuen Rathaus ergab sich die einmalige Gelegenheit, auf dem 27 Meter hohen Dach für einen neuen zentralen Standort der Camera obscura im Herzen der Altstadt Platz zu schaffen. 

Die Umsetzung wurde vom Schanzer Photoclub Ingolstadt e.V. in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt erfolgreich durchgeführt. 

Die Ingolstädter Camera obscura ist nach aktuellem Wissensstand die vierte über Spiegel und Linse betriebene begehbare Camera obscura.

 

Was ist eine Camera Obscura?

Der Begriff „Camera obscura“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „dunkle Kammer“. Die Camera obscura wurde viele Jahrhunderte vor der Photografie entdeckt. 

Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.), der berühmte griechische Philosoph, entdeckte bereits im 4. Jahrhundert vor Christus folgende Erscheinung: „Steht man bei einer Sonnenfinsternis unter einem belaubten Baum, so kann man nach teilweiser Verfinsterung der Sonnenscheibe eine große Anzahl kleiner Sonnensicheln auf dem Boden sehen.“ Ohne zu ahnen, welche Bedeutung diese Entdeckung in der Zukunft haben würde, hatte Aristoteles das Grundprinzip der Camera obscura erkannt und beschrieben.

Leonardo da Vinci (1452 bis 1519) analysierte am trefflichsten die Erscheinungen in der Camera obscura. Wenn die Fassade eines Gebäudes, ein Platz oder eine Landschaft von der Sonne beleuchtet werden, und man bringt auf der gegenüberliegenden Seite in der Wand einer nicht von der Sonne getroffenen Wohnung ein kleines Löchlein an, so werden alle erleuchteten Gegenstände ihr Bild durch diese Öffnung senden und werden umgekehrt erscheinen.

 

So funktioniert die Camera Obscura

Funktionsweise Camera Obscura

 

In das Dach in der Mitte des Raumes in 27m Höhe wurde ein großes Loch gebohrt. Auf dem Dach über der Öffnung befestigte man ein Stahlrohr, das als Führung und Auflage für den drehbaren Cameraturm –A– dient.

Der Cameraturm besteht aus einem Kopf, in dem der optische Planspiegel –B– eingebaut ist. Ausgehend von einem Einbauwinkel von 45°kann der Spiegel über einen Seilzug um ca. 20° nach oben und unten geschwenkt werden.

Der Kopf des Turmes ist mit einem großen Rohr verbunden, das senkrecht nach unten in die Camera läuft. In der Mitte des Rohres befindet sich eine Bikonvexlinse –D– mit einer  Brennweite von 2500 mm und einem Durchmesser von 250 mm.

In der Camera am unteren Ende des Rohres ist ein großes Handrad –E– mit einem Hebel für die Spiegelverstellung angebracht. Mit dem Handrad kann der Cameraturm um 360° gedreht werden. 

Als Projektionsfläche für das Bild –C–, das über den Spiegel eingefangen, und über die Linse in das Innere der Camera geleitet wird, dient ein konkaver Tisch mit einer weißen Oberfläche –F–.